Verband Arbeitssicherheit






Schutzwirkung und Produktarten

Es gibt - abgesehen von den Hilfeleistungen, die im Falle einer Verletzung geleistet werden müssen - eine Vielzahl von Materialien und Geräten, die - entsprechend der Gefahrenquelle - vorhanden sein müssen. Grundsätzlich unterscheidet man:

GefahrVerletzung Hilfsmittel
SchockRettungsdecken, Schocklagerung
RettungKrankentragen, Spezialtragen
Atem- und Kreislaufstillstand Beatmungstücher, Taschenmasken, Beatmungsbeutel, Sauerstoffgeräte
offene Wunde sterile Wundabdeckungen mit Fixierung, fertige Verbandspäckchen
AugenverletzungAugenwaschflaschen, Augenspüllösungen
FrakturenSchienenmaterial aufblasbar, gepolsterte Schienen und Vakuum-Schienen
Herz-Stillstand, Elektrounfall EKG, Defibrillatoren, Sauerstoffunterstützung

Durch schnelle und wirkungsvolle Erste Hilfe sollen weitere Schäden vermieden werden.

Auf dieser Grundregel basieren alle Erste Hilfe Anleitungen. Voraussetzung für eine richtige Anwendung ist ein mindestens 16 Stunden dauernder Erster Hilfe - Kurs. Unabhängig von derartigen Anleitungen, ist nachfolgend eine Beschreibung der wichtigsten Produktarten und ihrer Qualitätskriterien zu finden:

Rettungsdecke
Schockbekämpfung, Vorbeugung gegen Unterkühlung

Aluminiumbedampfte Folie (in 2-färbiger Ausführung, z.B. silber/gold um die bedampfte und damit wärmereflektierende Seite zu erkennen). Reflektiert die Körperwärme bzw. Sonnenstrahlen und schützt so vor Kälte oder Hitze. Mindestbreite 160 cm. Wolldecken bieten zusätzlichen Schutz und Komfort.

Krankentrage
Rasche Rettung aus dem Gefahrenbereich, Transport zur erweiterten Hilfeleistung

1x oder 2x klappbare Trage, möglichst in einem Schrank (ev. mit Erste Hilfe Paket). Für größere Areale empfiehlt sich eine Trage mit fahrbarem Untersatz. Wichtig ist auch die Kennzeichnung des Aufbewahrungsplatzes. Es ist auf gute Reinigungsmöglichkeiten, brandhemmenden Bezug und regelmäßige Kontrolle des Gerätes zu achten.
Rettungssitz/Tragetuch: Zur Personenbergung unter beengten Verhältnissen geeignet.

Beatmungshilfe
Atemspende kann Leben retten!

Durch sofortige Atemspende wird die Lunge mit Sauerstoff versorgt. Beatmungsbeutel: Professionelle Beatmung, auch für längere Beatmung geeignet und durch Sauerstoffanschluss erweiterbar.
Für die Beatmung durch einen Laienhelfer bieten sich Maskengeräte mit Rückatemventil (2-Wege Ventilsystem ) oder Beatmungstücher an.
Maskengeräte mit Rückatemventil bieten gleichzeitig Infektionsschutz für Anwender und Patient.
Beatmungstücher nach DIN 13154 bieten verbesserte Hygienebedingungen bei einer durchzuführenden Beatmung für Anwender und Patient.

Handschuhe
Bieten Schutz für Helfer und Patient.

Um Schutz zu gewährleisten, muss der Handschuh dicht sein. Das ist meist bei Billigprodukten nicht der Fall. Bewährt und sicher sind Einmalhandschuhe nach EN 455 aus Vinyl, Nitril oder Latex (auf Allergiefreiheit achten, z.B. bei Latex – Allergie).

Erste-Hilfe Kasten
Dient auch als Arbeitsplatz des Helfers!

Hat die Funktion einer Verpackung, die den Inhalt gegen Beschädigung, Staub, Feuchtigkeit, Hitze und Kälte schützen soll. Muss aber auch dem Helfer als Arbeitsplatz dienen (übersichtliche Anordnung, saubere Arbeitsfläche). Leichte Abnehmbarkeit sicherstellen, um eventuell rasch zum Unfallort gelangen zu können.

Die Anzahl der erforderlichen Verbandkästen ist abhängig von

  • der Anzahl der Arbeitnehmer
  • den Gefahrenpotentialen und
  • der raschen Erreichbarkeit

Die ÖNORM Z 1020 unterscheidet:

TYPE 1: Für Bereiche bis  5 Arbeitnehmer
TYPE 2: Für Bereiche bis  20 Arbeitnehmer

Ob mehrere Erste-Hilfe-Kästen Typ 1 an ausgewählten Stellen oder ein Erste-Hilfe-Kasten Typ 2 an zentraler Stelle vorteilhafter ist, bleibt dem Ergebnis der Arbeitsplatzevaluierung überlassen.

Über die Bestimmungen der ÖNORM hinaus kann es auch erforderlich sein, zusätzliches Erste-Hilfe Material ( z.B. bei Berufen mit erhöhtem Unfallrisiko ) bereitzuhalten. Hier gibt es Anbieter branchenspezifischer Erste-Hilfe Kästen, die erweiterte Erste-Hilfe Inhalte anbieten. 

Wundabdeckung
Durch die Wundabdeckung wird die Wunde nach außen gegen weitere Verunreinigung geschützt.

Sterile Wundabdeckungen sollten qualitativ hochwertig sein und die folgenden Eigenschaften haben:

  • nicht mit der Wunde verklebend
  • nicht fusseln oder fasern
  • keine Verhärtung der Wundauflage
  • Sicherstellung der Wundruhe
  • schmerzfreier Verbandwechsel
  • keine allergischen Reaktionen.

Insbesondere moderne aluminiumbedampfte Verbandstoffe haben sich hier bewährt. Wundabdeckungen sollten immer in verschiedenen Größen und Abmessungen bereit gehalten werden, auf hygienische Verpackung und Sterilität ist zu achten.

Fixierungen
Dienen der Fixierung der Wundauflage auf der Wunde und bieten einen weiteren Schutz vor äußeren Einflüssen auf die Wunde.

Man unterscheidet: Heftpflaster auf der Spule oder als vorbereitete Pflasterstreifen, starre oder elastische Mullbinden, Dreiecktücher aus Textil oder Vlies, Netz-oder Schlauchverbände für die Fixierung an schwierigen Körperstellen ( z.B. Kopf oder Knie ), selbsthaftende ( kohäsive ) Binden.

Gebrauchsfertige Verbände
Gewährleisten eine schnelle Wundversorgung, da hier Wundauflage und Fixierung aus einem bestehen und somit sofort direkt einsetzbar sind.

Angeboten werden: Pflasterstrips mit zentralem Wundkissen in unterschiedlichen Größen, aber auch von der Rolle zum Abschneiden. Verbandpäckchen in unterschiedlichen Größen, bestehend aus Kompresse und elastischer Mullbinde . Druckverbandpäckchen für stark blutende Wunden.
Von der Verwendung handelsüblicher Watte wird abgeraten.

Stützverbände
U.a. um Gelenke so zu stützen, dass kein weiterer Schaden entsteht.

Es gibt die bekannten elastischen Binden, die, um das Gelenk gewickelt, sicheren Halt geben.

Schienen
Frakturen werden ruhiggestellt, um weitere Verletzungen zu vermeiden.

Vakuumschienen (röntgendurchlässig) für Arm, Bein, Halswirbelsäule und auch als Matratze. Durch Vakuum wird bei größter Schonung fixer Halt um den Bruch geschaffen. Weiters gibt es noch Weichaluschienen mit Polsterung, welche die ursprünglichen Drahtleiterschienen ersetzen.

 

Augenspülflasche
Für die sofortige Augenspülung am Unfallort und zum Ausschwemmen von Fremdkörpern im Auge. Auch bei Verätzungen des Auges durch Laugen oder Säuren.

Es empfiehlt sich die Vorhaltung gebrauchsfertiger Augenspülflaschen. Diese enthalten entweder steriles Wasser oder eine Puffer-Sterillösung, die Fremd- oder Reizstoffe im Auge bindet und neutralisiert.
Gefüllte Augenspülflaschen sollen luftdicht verschweißt sein. Geöffnete Augenspülflaschen sollen entsorgt werden.

Notfallduschen
Stationäre Notfallduschen für Körper, Gesicht / Augen oder entsprechende Kombination

Diese müssen die Mindestanforderungen der ÖNORM EN 15154 erfüllen. Für Industriebetriebe mit erhöhten Gefahrstoffmengen und längeren Wegen empfehlen sich Notfallduschen mit einem Volumenstrom von > 80 l/min.
Bei Augenduschen sollte der Wasserstrahl von der Augmitte nach außen gehen damit die Verunreinigung nicht in den Tränenkanal gespült wird.

Notfallkoffer
Bieten dem Notarzt oder Rettungsdienst Material für notfallmedizinische Maßnahmen, die über die Erste-Hilfe Maßnahmen hinausgehen.

Hier sind unterschiedliche Ausführungen möglich und denkbar. Die Grundausstattung sollte Beatmungsbeutel, Absaugpumpe, Blutdruckmessgerät, Stethoskop, Reflexhammer und Pupillenleuchte enthalten. Empfehlenswert ist immer die Ausstattung mit einem Sauerstoffgerät. Die weitere Ausstattung kann individuell gestaltet werden.

Sauerstoffgeräte
Durch Beatmung mit Sauerstoff wird Herz-Lungen Wiederbelebung wirksam unterstützt.

Mobile Geräte ab 1 Liter (200 bar) geometrisch (= 200 Liter O2 gasförmig, ca. 15 Minuten Sauerstoff).
Ein Manometer zeigt den Druck und damit den Inhalt in der Flasche an. Der Druckminderer reduziert den Druck und mit einem Durchflussregler wird der O2 Fluss von 0 – 15l/Min. geregelt. Standgeräte sind üblicherweise 10 Liter Sauerstoff-Flaschen mit einem Fülldruck von 200 bar, das ergibt einen Inhalt von 2000 Liter O2.

Defibrillator
Bei Kammer-Flimmern die dzt. beste Maßnahme gegen den plötzlichen Herztod.

Entsprechend den Empfehlungen der American Heart Association ist die frühest mögliche Defibrillation (ev. sogar vor dem Notarztwagen) die beste Möglichkeit, um das bei Herzinfarkt auftretende Kammerflimmern zu beheben. Es gibt Halb- und Vollautomaten; letztere dürfen nur vom Arzt bedient werden.

Spezialtragen
In Extremsituationen (große Höhen, Tiefen, Absturzgefahr) sichere Rettung.

Mit der Schaufeltrage wird der Patient in Wirbelsäulen schonender Weise aufgeschaufelt.
Mit einer Korbtrage ist der Transport aus großen Höhen oder Tiefen möglich.

Notrettungsset
Speziell für das Bergen aus schwer zugänglichen Bereichen, nach ON F 1020: besteht aus Tragetuch und Rettungstuch, in einer Packtasche.

Zu beachten ist:

  • Erste-Hilfe Kasten regelmäßig auf Vollständigkeit und Unversehrtheit des Inhaltes überprüfen. Insbesondere ist die Verpackung der sterilen Verbandstoffe einer regelmäßigen Kontrolle zu unterziehen, da ansonsten der Verlust der Sterilität erfolgt. 
  • Es empfiehlt sich, dem Erste Hilfe Kasten zu plombieren um die regelmäßige Kontrolle zu erleichtern und dafür zusätzliche Pflasterspender an zu bringen.
  • Extreme Temperaturschwankungen (Hitze/Kälte) sowie hohe Luftfeuchtigkeit wirken sich nachhaltig auf die Lebensdauer und Funktion des Inhalts aus.
  •  Es ist zu beachten, dass kohäsive Binden und Pflaster im Vergleich zu anderen Verbandstoffen – auch bei richtiger Lagerung – eine wesentlich geringere Lebensdauer haben. Diesem Umstand ist bei der Überprüfung besonderes Augenmerk zu schenken.