Auswahltipps und Qualitätskriterien
- Anforderungsprofil, d. h. die Kenntnis über die Gefährdungen am Arbeitsplatz und somit über die erforderlichen Schutzleistungen, ist gerade beim Handschutz besonders wichtig! In der Praxis muss ein Handschuh oftmals Schutz gegen mehrere Gefahren
- Hohe Trageakzeptanz durch ergonomische Passform, Größenauswahl und hochwertige Materialien und Verarbeitung
- praxisgerechter Tragetest statt Einzelmuster auf: - Tastgefühl (Oberflächenprofil)
- Einsatz-/Verwendungsdauer: Schutzhandschuhe müssen ihre angegebenen Material- und
gleichzeitig bieten, z. B. mechanische (nach EN 388) und chemische (nach EN
374)
Auch in diesen Fällen muss bei der Auswahl der geeigneten PSA nach
höchstmöglichen Schutzniveaus bei ungehinderter Ausübung der
vorgesehenen Tätigkeit ( z.B. Fingerfertigkeit, Tastgefühl, Fettgriff, Nassgriff
etc.) gesucht werden.
- Greifvermögen (z.B. Feinmechanik)
- Rutschfestigkeit (Trockengriff, Nass- u. Fettgriff)
- Innenklima (Schwitzen)
Schutzeigenschaften über die Verwendungsdauer hinaus beibehalten, d.h.
vor Verschlechterung des Leistungsprofils ausgetauscht werden.
Mechanische Beeinträchtigungen sind optisch feststellbar, die der
Barrierewirkung gegen chemische Gefahrstoffe und Mikroorganismen meist
nicht!
Laborbedingungen bei den einschlägigen Prüfverfahren (Penetration und
Permeation) sind nicht identisch mit den Praxisanforderungen am
Arbeitsplatz, daher können auch die Schutzzeiten bzw. Durchbruchzeiten bei
gezielten Eignungstests in der Praxis von den Tabellenwerten der Norm
erheblich abweichen, besonders dann, wenn es um Chemikaliengemische
geht!
Achtung: eine molekulare Wanderung von Chemikalien ist nicht zu stoppen!
Die Permeation beginnt also mit dem 1. Kontakt, egal ob teilweise oder wie
lange!
Beispiel:
Durchbruchszeit lt. EN 374-3 3 Stunden
Einsatzzeit 5 Minuten
Eine neuerliche Verwendung am nächsten Tag, weil man fälschlicherweise
glaubt, dass noch 2 Stunden und 55 Minuten Einsatzzeit zur Verfügung
stehen, ist unzulässig !
- Tragedauer ohne Unterbrechung auf max. 2 Stunden begrenzen. Durch regelmäßiges Tragen von flüssigkeitsdichten Handschuhen kommt es zum sogenannten Okklusionseffekt (Der Temperaturanstieg bringt verstärkte Schweißbildung. Dadurch kommt es zu einem feuchten Innenklima durch Wasserdampf und das führt zu einer Schädigung des Säureschutzmantels und der Hornschicht (Aufquillen) sowie zu stark reduzierter Barrierefunktion, pH-Wert-Veränderung, Verlust der mechanischen Belastbarkeit und erhöhter Infektionsgefahr)
- Handschuhwechsel bei langen ununterbrochenen Einsatzzeiten
- Nur trockene, geeignete Handschuhe ohne erkennbare Beschädigungen
verwenden - Handschuhe nur mit sauberen und trockenen Händen anziehen
- Reinigung der Handschuhe vor dem Ausziehen
- Beim Ausziehen die Außenseite nicht mit der ungeschützten Hand angreifen (Schadstoffkontakt!)
- Nach dem Ausziehen Hände waschen und pflegen
- Haltbarkeit–Standzeit: letztlich auch ein nicht unwesentlicher Wirtschaftsfaktor, der nicht nur von der Qualität des Handschutzes abhängt, sondern auch davon, wie man mit ihm umgeht (fachgerechte Verwendung, Pflege, Reinigung, Lagerung)
- Handschuh-Plan
Alle gesammelten Erkenntnisse, Auswahlkriterien und die daraus
resultierenden Entscheidungen sollten in einem Handschuhplan ihren
Niederschlag finden. In diesem Plan sind alle ausgewählten
Handschuhmodelle pro Arbeitsplatz abgebildet und entsprechend
beschrieben.
Jeder soll und kann so über „seinen Handschuh“ Bescheid wissen und somit
auch nachvollziehen, warum gerade dieser Schutzhandschuh zum eigenen
Schutz getragen werden soll.
Umfragen haben ergeben, dass bei Vorhandensein eines allgemein
verständlichen Handschuhplans die Tragequote deutlich gestiegen ist, was
sich als return of invest wieder zu Buche schlägt.
