Verband Arbeitssicherheit






Schutzwirkung und Produktarten

Schutzhandschuhe sind Bestandteil der persönlichen Schutzausrüstung zum Schutz der Hand oder aller Handbereiche. Sie können auch einen Teil des Unterarmes oder Armes abdecken und müssen physikalisch vor dem Hautkontakt mit einem toxischen Arbeitsstoff und/oder vor mechanischen gefährdenden Einwirkungen schützen.

Richtig ausgewählter und konsequent getragener Handschutz kann einen Großteil von Hand- oder Armverletzungen, Hautallergien und Berufskrankheiten verhindern.

Leistungsindikatoren in Form von Kennziffern (bei mechanischer oder thermischer Schutzwirkung) bzw. Kennbuchstaben (bei Chemikalienschutz) zeigen an, wie sich ein Handschuh bei einem vorgegebenen spezifischen Test verhalten hat. Anhand dieser Kennzeichnungen können die Ergebnisse der Prüfung eingestuft und entsprechende Rückschlüsse auf die Schutzwirkung gezogen werden.

Die Kennziffer 0 gibt an, dass dieser Handschuh entweder nicht dem entsprechenden Test unterzogen wurde oder die Mindestanforderungen nicht erfüllt. Die Kennzeichnung X zeigt an, dass das Testverfahren für diese Handschuhart nicht geeignet ist. Höhere Ziffern stehen für höhere Leistungsebenen. Die Bedeutung der einzelnen Ziffern finden sich in den entsprechenden Kapiteln.

Allgemeine Anforderungen an Schutzhandschuhe und Armschützer nach EN 420:2003 sind hinsichtlich Gestaltung, Konstruktion, Unschädlichkeit, Tragekomfort, Zweckmäßigkeit, Kennzeichnung und Produktinformationen u.a. wie folgt festgelegt:

Ergonomie

Die Handschuhgröße muss zur Handgröße passen (Gr.6 – Gr.11; Mindestlänge pro Handgröße)

a) Handschuhgrößen

Handschuhgröße

Größe der
Handpassform

Handumfang/
-länge
(mm)

Mindestlänge des
Handschuhs (mm)

6

6

152/160

220

7

7

178/171

230

8

8

203/182

240

9

9

229/192

250

10

10

254/204

260

11

11

279/215

270

b) Handschuhbeweglichkeit

Leistungs-
indikator

Kleinster Durchmesser (mm) einer Nadel, die mit dem Handschuh
dreimal in 30 Sekunden aufgenommen werden kann

1

11,0

2

9,5

3

8,0

4

6,5

5

5,0

Handschuhe unterhalb der Mindestlänge müssen als „Geeignet für spezielle Zwecke” bezeichnet werden.

Unschädlichkeit für Gesundheit und Hygiene

Von den Materialien für Schutzhandschuhe dürfen keine gesundheitlichen Risiken für den Benutzer ausgehen; entscheidend sind die verwendeten Handschuhmaterialien und die Verarbeitung.

  • Eine Auflistung aller im Handschuh enthaltenen Substanzen, die bekannt sind, Allergien zu verursachen, oder aller für die Herstellungverwendeten Materialien ist auf Anforderung vom Hersteller (autorisierter Repräsentant) vorzulegen.
  • Handschuhe aus Naturkautschuk müssen gemäß der Norm EN 455-3 auf extrahierbare Proteine getestet werden (Anforderungen nach EN 455-3, früher nur bei medizinischen Einweghandschuhen)
  • Bei genähten Handschuhen darf die Stärke der Nähte die allgemeine Leistungsfähigkeit und Schutzwirkung nicht beeinträchtigen.
  • Der pH-Wert darf nicht kleiner als 3,5 und nicht größer als 9,5 sein
  • (Prüfung für Leder nach EN ISO 4045, für andere nach EN 1413)
  • Bei der Prüfung auf Chrom(VI)-Gehalt sind bei Handschuhen mit unterschiedlichen Ledersorten alle Sorten zu prüfen (Kriterium:"max.10mg/kg")

  • Wasserdampf
    Durchlässigkeit und - Aufnahme sollen nach Möglichkeit gegeben sein;
    neuer Hinweis in der Norm: falls dies auf Grund der Schutzwirkung /-Stufe nicht möglich ist, muss der Handschuh so konzipiert sein, dass der Effekt des Schwitzens so weit wie möglich reduziert wird.

    Widerstand gegen Wasserdurchdringung
    Man unterscheidet je nach Widerstandszeit in 4 Leistungsstufen:
    Stufe 1=30min.        Stufe 2=60min.        Stufe 3=120min.      Stufe 4=180min.
    Die Prüfung erfolgt bei Lederhandschuhen wie bei Sicherheitsschuhen, bei Textilmaterialien alternativ nach EN 20 811; diese Prüfverfahren sind nicht geeignet für die Bewertung von wasserdichten Handschuhen. 

    Reinigungs- und Pflegehinweise
    Diese beinhalten die Herstellerangabe der empfohlenen Anzahl von Reinigungen, ohne dass die Leistungsstufen negativ beeinflusst werden; (Pflegesymbole nach EN 23758 + Anzahl der Reinigungen).

Elektrostatische Eigenschaften
falls erforderlich lt. Angaben der Prüfparameter und Ergebnisse in den Hersteller-Informationen; dazu sind keine Piktogramme erlaubt. (Prüfverfahren entsprechend EN 1149-1 für Oberflächenwiderstand und EN 1149-2 für Durchgangswiderstand).

Besondere Anwendungen
Hier sind eindeutige Gebrauchsanleitungen des Herstellers zum speziellen Verwendungszweck erforderlich. Darüber hinaus gibt es die für spezielle Anwendungen wie z.B. Elektriker- oder OP-Handschuhe eigene Normen.

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Kennzeichnung und Produktinformation


diese müssen deutlich sichtbar und lesbar, über die gesamte voraussichtliche Gebrauchszeit hin unauslöschbar und unverwechselbar angebracht sein.

Handschuhe müssen folgende Kennzeichnungen tragen:

  • Name des Herstellers
  • Handschuh- und Größenbezeichnung
  • CE-Kennzeichnung
  • Entsprechende Piktogramme, geltende Leistungsindikatoren und Referenz der EN-Norm, bei Kat.-III-Produkten zusätzlich die Kennnummer des Prüfinstitutes.
  • Die Kennzeichnung muss während der gesamten Lebensdauer des Handschuhs lesbar sein. - ist diese Kennzeichnung aufgrund der Eigenschaften des Handschuhs nicht möglich, muss sie auf der Verpackung angegeben sein.

Kennzeichnung der direkten Handschuhverpackung

  • Name und Adresse des Herstellers oder Vertreters
  • Handschuh- und Größenbezeichnung
  • CE-Kennzeichnung
  • Gebrauchsinformationen                     
    einfache Ausführung: „Nur für minimale Risiken“
    mittlere und höchste Ausführung: entsprechende Piktogramme
    Wird nur ein bestimmter Handbereich geschützt, muss das entsprechend angegeben    werden (z.B. „Nur Handflächenschutz”)
  • Angaben von Informationsstellen

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Gebrauchsanleitung

Diese muss im Lieferumfang enthalten sein:

  • Name und Adresse der Herstellers oder Vertreters
  • Handschuhbezeichnung
  • Erhältliche Größen
  • CE-Kennzeichnung
  • Prüfchemikalien mit Level
  • Fingerfertigkeit nach EN 420
  • Erklärung der Piktogramme
  • Pflege- und Lageranleitungen
  • Gebrauchsanleitung und –beschränkung
  • Entsorgungshinweise/Vorschriften
  • Auflistung der im Handschuh enthaltenen Substanzen, die als Auslöser von Allergien bekannt sind.
  • Name und Adresse der akkreditierten Zertifizierungsstelle, die die Baumusterprüfbescheinigung für das Handschuhmodell ausgestellt hat.

Auf Anfrage muss eine Auflistung aller im Handschuh enthaltenen Substanzen lieferbar sein

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Piktogramme nach EN 420:2003

Piktogramme sind nur dann zulässig, wenn die Mindestanforderungen der spezifischen Norm erfüllt werden.

Ein Piktogramm allein erfüllt nicht die Informationsanforderungen des Verbrauchers über die Schutzwirkung! Es ist daher neben etwaigen weiteren Piktogrammen  das Piktogramm „Infobuch“ als Hinweis hinzuzufügen, dass die Informationen des Herstellers zur Schutzwirkung vom Verbraucher vor Anwendung auch gelesen werden müssen.

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Handschutz gegen mechanische Gefahren

nach EN 388:2003

Diese Norm gilt für alle Arten von Handschuhen zum Schutz vor physischen oder mechanischen Einwirkungen. Die Schutzfunktionen werden mit  dem Piktogramm „Mechanische Gefahren und einem vierstelligen Zahlencode (Leistungsindikatoren) angezeigt, u. zwar für :

a) Abriebfestigkeit
    je nach Anzahl der erforderlichen Testzyklen für den Abrieb des
    Testhandschuhs.

b) Schnittfestigkeit
     je nach Anzahl der erforderlichen Testzyklen für das Zerschneiden des
     Testhandschuhs mit konstanter Geschwindigkeit.

c) Reißfestigkeit
    der Wert basiert auf der erforderlichen Zugkraft für das Zerreißen des
    Testhandschuhs.

d) Stichfestigkeit
    je nach der erforderlichen Stoßkraft für das Durchstechen des
    Testhandschuhs mit einer Spitze (definierte Standardgröße) 

 

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In allen Fällen zeigt [0] die niedrigste Leistungsebene an

TEST EINSTUFUNG DER LEISTUNGSEBENE

0

1

2

3

4

5

a. Abriebfestigkeit (Zyklen

<100

100

500

2000

8000

b. Schnittfestigkeit (Faktor

<1.2  

1,2

2,5

5,0

10,0

20,0

c. Reißfestigkeit (Newton)

<10

10

25

50

75

d. Stichfestigkeit (Newton)

<20

20

60

100

150

Für mechanischen Handschutz geeignet sind hauptsächlich:

synthetisch beschichtete Handschuhe auf textilen Trägern.
Die verschiedenen Beschichtungsarten, wie z. B. mit NBR (Nitril-Butadien-Rubber) oder  PU (Polyurethan) sind firmenspezifisch entwickelt und weisen dadurch unterschiedliche Eigenschaften auf. 
Je nach Fertigung im Tauchverfahren, per Anschäumung oder als Imprägnierung in dünner, feinfühliger oder dicker robusterer Ausführung, ganzflächig oder nur teilbeschichtet, bieten diese Schutzhandschuhe viele Einsatzmöglichkeiten mit sehr guter mechanischer und auch chemischer Beständigkeit. 

 

synthetisch beschichtete Strickhandschuhe
Hier sind neben den bereits vorhin erwähnten Beschichtungsarten vor allem die verschiedenen Trägergewirke wie Acryl, Dyneema, Kevlar, Nylon, Perlon, etc. und die entsprechende Ausrüstung, Verarbeitung und Konfektionierung (z.B. Schlingengewebe, einseitig oder beidseitig benoppt, Fütterung )  für hohe Leistungsebenen wie beispielsweise Schnittfestigkeit 5 maßgebend.


 

Lederhandschuhe
Als Naturprodukt sind hochwertige Leder auf Grund ihrer spezifischen Eigenschaften sehr gut im Arbeitsschutzbereich einzusetzen. Es sollten jedoch nur  solche Lederhandschuhe verwendet werden, die lt. EU-Richtlinien für PSA zumindest vor `mittleren´ Risiken schützen (Konformitätserklärung und Kennzeichnung nach Zertifizierungskategorie II oder III siehe Kapitel CE-Kennzeichnung). 

Rindvolllederhandschuhe weisen unter den Lederhandschuhen die besten Eigenschaften auf. Aufgrund seiner gewachsenen Faserstruktur ist Rindleder äußerst strapazierfähig. Durch spezielle Gerbung kann auch die Beständigkeit des Leders gegen Hitze erhöht, bzw. die Aufnahmefähigkeit für Öl und Wasser sehr stark reduziert werden.

Lederhandschuhe der Kategorie I (z. B. aus Möbelleder oder billigem Spaltleder und sog. Haushaltshandschuhe), die nur eine CE-Kennzeichnung ohne Piktogramm haben, schützen nur vor minimalen Risiken.

Handschutz gegen Chemikalien und Mikroorganismen

nach EN 374:2003

Diese Norm legt die Eigenschaften von Handschuhen zum Schutz des Anwenders vor Chemikalien und/oder Mikroorganismen fest.

Begriffsdefinitionen sind dabei vorab wichtig:

Penetration
So nennt man das `Eindringen´ eines Stoffes und/oder eines Mikroorganismus(auf nicht-molekularer Ebene) durch poröse Stellen, Nähte, Nadellöcher oder andere Defekte in einen Schutzhandschuh.

Permeation
Damit definiert man die `Durchbruchszeiten´, die eine gefährliche Flüssigkeit bis zum Hautkontakt benötigt. Die Gummi- und Kunststoffschichten eines Handschuhs bilden nicht immer eine Flüssigkeitsbarriere. Manchmal reagieren sie wie ein Schwamm, indem sie Flüssigkeit aufsaugen und gegen die Haut drücken. Daher ist es wichtig, die Permeation zu ermitteln.

Degradation
Neue Bezeichnung in der Norm für die Verschlechterung einer oder mehrerer physikalischer Eigenschaften eines Werkstoffes - und somit des Handschuhs - infolge Kontakt mit einer Chemikalie (z. B. Aufquellen, Auflösen, Erweichung und Verhärtung, Verformung). Nach EN 374:2003 ist unmittelbar nach den normkonformen Prüfverfahren auf solche Veränderungen zu untersuchen; diese sind dann entsprechend zu dokumentieren. Ein genormtes Prüfverfahren zur Degradation gibt es zur Zeit noch nicht, daher findet man oft nur Angaben über Materialquellung und Durchstichfestigkeit.

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Piktogramme der EN 374


Früher durfte das Piktogramm mit dem Erlenmeyerkolben verwendet werden, wenn der Handschuh den Luft-Leck- oder Wasser-Leck-Test bestanden hat (Penetration) und bei zumindest einem Stoff (z.B. auch Wasser !) die Durchbruchszeit größer als 10 min. war (Permeation Klasse 1).

Nach EN 374 :2003 wird ein Handschuh erst als beständig gegen Chemikalien angesehen, wenn bei der Permeationsmessung ein Schutzindex von mindestens Klasse 2 bei drei von zwölf definierten Prüfchemikalien (siehe Tabellen) erreicht wird.

Die Kennbuchstaben der verwendeten Chemikalien sind beim Piktogramm anzugeben:

  • Für Schutzhandschuhe mit einer Durchbruchzeit unter 30 min. gilt das Piktogramm in obiger Abbildung -Mitte (Becherglas-Piktogramm + Zusatzinformation)
  • Die Piktogramme „Becherglas“ und „Erlenmeyerkolben“ dürfen nicht gleichzeitig angebracht werden.
  • Neben dem Piktogramm für chemische Gefahren müssen auch die mechanischen Leistungsindikatoren mit dem Piktogramm lt. EN 388 angezeigt werden.

Prüfchemikalien für die Permeationsmessung nach EN 374:2003

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Einige geeignete Handschuharten gegen chemische Einwirkungen:

Naturlatex-Handschuhe sind weitgehend flüssigkeitsdicht und weisen zum Teil sehr gute chemische Beständigkeit gegenüber anorganischen Verbindungen (z.B. Aceton) auf, sind aber empfindlich gegen Öle, Fette und Benzine.

Synthetiklatex-Handschuhe wie z.B. Nitrilkautschuk (NBR) oder Neopren sind gegenüber den meisten anorganischen Chemikalien und einen Teil organischer Stoffe (Lösemittel) sehr gut beständig.

Sie sind gut geeignet für Arbeiten in der chemischen Industrie und Galvanik, sowie überall dort, wo neben guter chemischer Beständigkeit auch gute mechanische Belastbarkeit verlangt wird.

PVC-Handschuhe widerstehen den meisten Säuren und Laugen und sind gegen organische Verbindungen wie Lösemittel, Benzin, Mineralöle und niedere Alkohole bedingt beständig (Angaben der Hersteller beachten!)

PVA-Schutzhandschuhe (Polyvinylalkohol) verwendet man besonders gegen chlorierte oder aromatisierte Kohlenwasserstoffe und andere aggressive Chemikalien.
Achtung: wasserlöslich!

Butyl-Handschuhe bieten gute Beständigkeiten gegenüber Ester und Keton und sind gasundurchlässig.

Fluorkautschuk-Handschuhe haben hervorragende allgemeine Chemikalienbeständigkeiten, nicht jedoch gegen Ester und Ketone!

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Handschuhe zum Schutz gegen thermische Risiken

a) nach EN 407: 2004 - Hitze und/oder Flammen

Die Art und der Grad der Schutzfunktion wird von einem Piktogramm und sechs Leistungsindikatoren in Verbindung mit spezifischen Schutzeigenschaften angegeben:

a) Brennverhalten (Level 0-4)
b) Kontaktwärme (Level 0-4)
c) Konvektive Hitze (Level 0-3)
d) Stahlungswärme (Level 0-4)
e) Beständigkeit gegen kleine flüssige Metallteile (0-4)
f) Beständigkeit gegen große Mengen flüssiges Metall (0-4)

0 bedeutet: Level nicht erreicht
x bedeutet: nicht getestet

Zusätzlich müssen alle Handschuhe mindestens die Leistungsebene 1 für Abrieb- und Reißfestigkeit erzielen (mechanische Einwirkungen nach EN 388).

 

 

Erklärung der Leistungsindikatoren:

Brennverhalten: die Zeitdauer, in der das Material nach Entfernen der Brandquelle weiter brennt oder glüht. Die Nähte des Handschuhs dürfen sich nach einer Brandzeit von 15 Sekunden nicht auflösen.

• Kontaktwärmefestigkeit: Dies ist die am häufigsten genutzte Angabe in dieser Norm. Darunter ist die Schwellenwertzeit in Sekunden bei festgelegter Kontakttemperatur (100, 250, 350 und 500°C zu verstehen, wobei der Anstieg um nicht mehr als 10°C in 15 Sekunden erfolgen darf. Wird eine EN-Ebene 3 oder höher erzielt, muss das Produkt im Brandfestigkeitstest ebenfalls mindestens die EN-Ebene 3 erfüllen, da ansonsten eine maximale Kontakthitzefestigkeit der Ebene 2 eingetragen wird.

• Konvektionswärmefestigkeit: bedeutet die Zeitdauer, in der ein Handschuh die Hitzeübertragung von einer Flamme verzögern kann. Eine Leistungsebene wird nur dann angegeben, wenn im Brandfestigkeitstest die Leistungsebenen 3 oder 4 erreicht werden.

• Strahlungswärmefestigkeit: die Zeitdauer, in der ein Handschuh die Hitzeübertragung einer Strahlungshitzequelle verzögern kann. Eine Leistungsebene wird nur angegeben, wenn im Brandfestigkeitstest die Leistungsebenen 3 oder 4 erzielt werden.

• Festigkeit gegen kleine Schmelzmetallspritzer: die erforderliche Anzahl von Tropfen geschmolzenen Metalls für die Aufheizung des Handschuhs auf eine bestimmte Temperatur. Eine Leistungsebene wird nur angegeben, wenn im Brandfestigkeitstest die Leistungsebenen 3 oder 4 erreicht werden.

• Festigkeit gegen große Schmelzmetallspritzer: das erforderliche Gewicht von Tropfen geschmolzenen Metalls für das Auslösen einer Glättung oder Durchlöcherung eines Hautimitates, das direkt hinter dem Testhandschuh angebracht wurde. Der Test gilt als fehlgeschlagen, wenn sich Metalltropfen am Handschuhmaterial festsetzen oder das Testmuster entflammt.

Im niederen Temperaturbereich von etwa 100-200 ° C bieten sich Baumwoll-Frotteegewebe, eventuell auch mit flammhemmender Imprägnierung, sowie Leder mit spezieller hitzeresistenter Behandlung an.
Im Hitze- und Kontakthitzebereich bis zu 350° C werden heute eine Vielzahl von Produkten aus aromatischem Polyamid wie z.B. Nomex® oder Kevlar® angeboten. Diese bieten nicht nur höheren „Wärmedurchgangswiderstand“ sondern halten auch mechanischer Belastung besser stand. Bei einer Vielzahl von Arbeiten sind diese Handschuhe auch in höheren Temperaturbereichen kurzfristig einzusetzen.
In hohen Temperaturbereichen weisen Glasgewebe gute Werte (bis ca. 1.000° C) auf; die mechanische Belastbarkeit ist jedoch gering; gute Erfahrungen mit keramischen und Carbon-Fasern. 

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b)    nach EN 511: 2006 Konvektions- und Kontaktkälte bis -50°C

Die Kälte kann mit den klimatischen Bedingungen oder einer beruflichen Tätigkeit zusammenhängen. Bei der Auswahl eines Schutzhandschuhs gegen Kälte sollten neben den Parametern der Tätigkeit auch die der Umweltbedingungen (Luftfeuchtigkeit, Umgebungstemperatur) und das individuelle Befinden des Trägers berücksichtigt werden.
Die Schutzfunktion gegen Kälte wird durch ein Piktogramm und Leistungsstufen entsprechend folgendem Beispiel angegeben:

Voraussetzung für die Verwendung dieses Piktogramms sind die thermischen Isolationseigenschaften des Handschuhs zumindest nach 1. von 4 Leistungsstufen für konvektive Kälte (siehe Tabelle 1 in EN 511)
Die thermische Isolation wird durch die Leistung gemessen, die für die Aufrechterhaltung eines konstanten Temperaturgradienten zwischen der Oberfläche eines beheizten Handmodells und der Umgebungsatmosphäre erforderlich ist.

Für die thermischen Widerstandswerte gegen Kontaktkälte gibt es ebenfalls 4 Leistungsstufen (Tabelle 2 der Norm) wobei ab Stufe 2 auch die Leistungsstufe 2 für Abriebfestigkeit und Weiterreißfestigkeit nach EN 388 erreicht werden muss.

Wenn bei der Prüfung auf Wasserdichtheit kein Wasserdurchtritt festgestellt wird, ist Leistungsstufe 1 erreicht; wird diese Dichtheit nicht erreicht, muss im Piktogramm die Leistungsstufe 0 mit dem Hinweis angegeben werden, dass der Handschuh bei Nässe seine isolierende Eigenschaft verlieren kann.

Bei unbeschichteten Materialien ist die Prüfung auf Kältebeständigkeit nach ISO 4675 nun auch erforderlich; die Prüfung auf Dauerknickverhalten nach EN ISO 7884: 1997 ist nur bei beschichteten Materialien vorgegeben.

Handschuhe zum Schutz vor ionisierender Strahlung und radioaktiver Kontaminierung

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Weitere Schutzausrüstungen mit speziellen Anforderungen:

  • Elektriker - Schutzhandschuhe zum Schutz bei Arbeiten unter Spannung nach EN 50237, EN 60903 u. EN 60984  - Abbildung links oben

  • Feuerwehrschutzhandschuhe nach EN 659

  • Kettenhandschuhe  aus Metallringgeflecht oder Werkstoffen ohne Metallringgeflecht zum Schutz gegen Schnitt – und Stichverletzungen durch Handmesser, z.B. in der Fleischindustrie, nach EN 1082-1 u. 2. - siehe Abbildung links unten

  • Schutzhandschuhe für Schweißer nach EN 12477

  • Vibrationshandschuhe gegen mechanische Schwingungen und Stöße nach EN ISO 10819

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