Auswahltipps und Qualitätskriterien
Alle bisher angeführten Entscheidungskriterien wurden unter dem Aspekt der in den Normen festgehaltenen Kriterien getroffen. Als Entscheidungshilfe bei der richtigen Auswahl von Schutzbekleidung sollte natürlich neben der Wirtschaftlichkeit an erster Stelle der Tragekomfort berücksichtigt werden. Welche Schutzbekleidung getragen werden sollte, ergibt sich aus der Gebrauchstüchtigkeit, dem Einsatzbereich und dem Tragekomfort.
Welche Werkstoffe werden verwendet?
Schutzkleidungen werden aus Textilien, Gummi, Kunststoffen, Leder und Metallen hergestellt. Die Schutzwirkung wird im Wesentlichen durch die Eigenschaften der Gewebe und Materialien, erst in zweiter Linie durch die Ausführung der Kleidung bestimmt.
• Textilien
Textilien sind aus Fasern oder Endlosgarnen hergestellte Materialien. Man unterscheidet folgende Faserstoffe:
Nicht sanforisierte Textilien aus Baumwolle neigen beim Waschen zum Einlaufen. Beim Waschen und durch das Reinigen kann sich die Reißfestigkeit verringern.
Baumwollgewebe brennt unter Verkohlung, kann aber durch flammhemmende Ausrüstung widerstandsfähiger gegen Flammen und gegen das Entflammen (z. B. durch Schweißfunken) gemacht werden. Die Schutzwirkung der Ausrüstung wird durch Waschen und Reinigen geringer, sodass unter Umständen nachgerüstet werden muss. In den Waschanleitungen und in der Gebrauchsanleitung muss die Anzahl der erlaubten Waschzyklen angegeben werden.
Textilien aus Leinen (Flachs) besitzen eine wesentlich höhere Reißfestigkeit, eine höhere Wärmeleitfähigkeit, aber eine geringere Elastizität als Baumwolle. Leinen ist relativ gut hitzebeständig und nimmt Feuchtigkeit gut auf.
Textilien aus Wolle sind im Vergleich zu Baumwolle und Leinen schwerer brennbar. Sie zeichnen sich meist auch durch ein höheres Flächengewicht aus. Sie schützen gegen Kälte, Flammen, Wärmestrahlung, Kontaktwärme und – entsprechend ausgerüstet – gegen glühende Teile. Textilien aus Wolle sollen chemisch gereinigt oder kalt gewaschen werden.
Textilien aus Chemiefasern besitzen bessere Festigkeitseigenschaften als solche aus Naturfasern, sind jedoch in der Regel entflammbar und schmelzen häufig bei erhöhter Temperatur.
Einige Fasern eignen sich für spezielle Anforderungen. Besonders hervorzuheben sind hochfeste Chemiefasern wie
- aromatische Polyamide mit guten flammhemmenden Eigenschaften,
- Polybenzimidazole „PBI“, schwer entflammbar, hohe Temperatur- und Chemikalienbeständigkeit,
- Mischgewebe aus schwer entflammbaren Viskosen mit Aramiden,
- Polytetrafluorethylen: sehr gute Chemikalien- und Temperaturbeständigkeit,
- Kohlenstofffasern: extreme Temperaturbeständigkeit, nur geringe Zugfestigkeit.
- synthetischen Fasern mit hygroskopischen Eigenschaften. Durch Feuchtigkeitsaufnahme aus der Luft wird die Leitfähigkeit erhöht.
- Geweben, denen Metallfasern oder Carbonfasern beigemischt werden.
- antistatisch ausgerüsteten Materialien. Die Mittel für die Ausrüstung sollten permanent wirken und nicht auswaschbar sein.
Textilien aus antistatischen Fasern können sich nicht gefährlich aufladen, zündfähige Entladungen treten nicht auf. Solche Textilien können bestehen aus
Textilien aus Glasfasern bieten einen guten Schutz gegen glühende Teilchen. Da aber die Wärmeleitfähigkeit höher ist als bei Natur- und Chemiefasern, ist der Schutz gegen Wärmestrahlung, Kontaktwärme und Kälte geringer. Glasfasergewebe besitzen nur eine eingeschränkte Scheuer- und Biegefestigkeit. Eine Verbesserung wird durch Beschichtungen erreicht.
Textilien aus Mischgeweben bestehen aus unterschiedlichen Fasertypen, z. B. Anteilen von Chemiefasern und Baumwolle. Die Schutzwirkung hängt vom Mischungsverhältnis, dem Flächengewicht und der eventuellen Ausrüstung ab.
Textil-(Verbundstoffe), sind wasserdicht und atmungsaktiv. Das sind Gewebe oder Gewirke, welche mit einer Sperrschicht versehen sind (Membrane, hydrophile oder mikroporöse Beschichtung) oder mit „Futter – Linern“ kombiniert werden, die entstehenden Wasserdampf vom Körper nach außen ableiten, jedoch auf der Außenseite wasserdicht sind.
• Kunststoffe
Schutzkleidung aus synthetischen Materialien ist, abhängig von dem verwendeten Kunststoff, gegen viele Chemikalien beständig.
Weiters werden Gewebe mit Kunststoffbeschichtung als Regen- und Wetterschutzbekleidung eingesetzt.
Folgende Materialien finden heute Verwendung:
- PVC, beschichtet und unbeschichtet – gute Säurebeständigkeit, schlechte bekleidungsphysiologische Eigenschaften (Wärmestau und Schwitzen)
- Polyurethan (PU) – Kunstfasergewebe oder –gewirke werden mit PU beschichtet und bieten guten Schutz gegen Regen. Hochflexibel und geschmeidig auch bei niedrigen Temperaturen. Hohe Weiterreißfestigkeit, auch schwer entflammbar und/oder antistatisch ausgerüstet lieferbar.
- Spezielle Beschichtungen, auch in gasdichter Ausführung möglich: - Neoprene (Kautschuk) für spezielle chemische Einsatzzwecke.
- Butylkautschuk für Chemikalienschutzanzüge.
- Viton für hochchemikalienbeständige Schutzanzüge.
• Vliesstoffe
Einweg- und Mehrwegschutzanzüge, flüssigkeits- und /oder gasdicht aus Polypropylen, Polyolefine, Polyester oder Polyamidvlies mit chemikalienfesten Sperrschichten (Filmtechnologie).
Dank neuer Fertigungstechniken sind hier auch chemikalienbeständige gas- und flüssigkeitsdichte Anzüge am Markt, welche oft vielen konventionellen Gasschutzanzügen im Tragekomfort (Gewicht!) überlegen sind.
• Metalle
Schutzkleidungen, z. B. Schürzen aus Ringgeflecht- oder Schuppenplättchengewebe, bieten den besten Schutz gegen Schnitt- und Stichverletzungen.
Mit Metall beschichtete Textil- oder Lederoberflächen schützen besser gegen Wärmestrahlung (Reflexion).
• Leder
Leder schützt gegen kurzzeitig auftretende thermische Belastung, besonders gegen Dampf, gegen glühende Teilchen und kurzzeitig einwirkende Chemikalien wie z. B. Säuren, Laugen und Lösemittel.
Bei entsprechender Ausrüstung und Gerbung sind die bekleidungsphysiologischen Eigenschaften wegen der Wasserdampfaufnahmefähigkeit und -durchlässigkeit sehr gut.
Kennzeichnung
Die EN 340 schreibt genaue Richtlinien bei der Kennzeichnung von Schutzbekleidung vor.
Hier wird nicht nur die Art der Kennzeichnung festgelegt, sondern auch die Zusatzkennzeichnung in Form von Piktogrammen für die unterschiedlichen Einsatzgebiete. (Siehe Abbildung Norm-Kennzeichnung mit Symbolen)
Da Ausführung und Gewebematerial den Wärme- und Feuchtigkeitsaustausch des menschlichen Köpers mit der Umgebungsluft und damit die Leistungsfähigkeit des Kleidungsträgers beeinflussen, diese bei Verwendung beschichteter, luftundurchlässiger Gewebe z. B. sogar sehr wesentlich einschränken können, sollte bei der Auswahl von Schutzkleidung insbesondere bekleidungsphysiologischen Gesichtspunkten besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden.
- Wie in der EN 340 festgelegt, sollte Schutzbekleidung möglichst leicht, angenehm zu tragen und anzuziehen sein, und den Träger bei der Arbeit nicht behindern.
- Durch die Evaluierungsverordnung und durch die bestehenden EN-Normen wird der Begriff Schutzbekleidung genau definiert.
Norm-Kennzeichnung mit Symbolen

